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Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
www.ruetschi-ag.ch

Was ist das Ziel von FIDLEG und FINIG?

Mit der Einführung vom neuen Finanzdienstleistungsgesetz FIDLEG im 2021 und Finanzinstitutsgesetz FINIG im laufenden 2022 kommen sowohl wesentlich höhere zeitliche und administrative wie auch finanzielle Anforderungen auf die Schweizer Vermögensverwalter zu. Ziel dieser beiden Gesetze ist es, den Anlegerschutz zu erhöhen.

Rasenmäher-Methode
Unserer unmassgeblichen Ansicht nach wird mit extrem grossem Aufwand ein extrem kleines Resultat erreicht. Bildlich gesprochen wird mit der Rasenmäher-Methode vorgegangen: Die 90% «sauberen» Vermögensverwalter (von mir aus auch mehr, es geht um das Beispiel) bleiben sauber, die 1% «kriminellen» interessieren die Gesetze nicht und bleiben kriminell, einzig bei den 9% im Graubereich dürfte sich die gewünschte Verbesserung und Erschwerung ihrer grauen Machenschaften zeigen. Bei den 90% «Sauberen» ergeben sich hingegen vorwiegend höhere administrative und finanzielle Aufwände.

Aufwand versus Ertrag: Mehrwert für Sie?
Die höheren Aufwände resultieren nicht nur aus den direkten neuen Rechnungen von Aufsichtsorganisation und FINMA oder beispielsweise auch von den massiv erhöhten Weiterbildungsvorschriften, sondern auch aufgrund der teureren Prüfkosten durch die Revisionsgesellschaften. Jede dieser höheren Rechnungen ist durch den höheren Aufwand dahinter grundsätzlich gerechtfertigt. Trotzdem haben Sie als möglicher Kunde eines Vermögensverwalters unserer Meinung nach von all diesen Kosten leider keinen grossen Mehrwert.
Etwas salopp formuliert: Im Verlauf von 2022 müssen die Schweizer Vermögensverwalter die Zulassung der FINMA bekommen, damit sie weiterhin das tun dürfen, was sie teilweise schon während Jahrzehnten professionell getan haben.
Nicht alles an FIDLEG und FINIG ist komplett überflüssig. Die Gesetze sind gut gemeint, schiessen aber leider über das Ziel hinaus. Wenig klar ist, um wie viel der Anlegerschutz dadurch tatsächlich verbessert wird. Was aber klar wird, ist, dass all dies viel kostet. Dies ist leider vielen unserer Politikern nicht klar.

Hausgemachte Inflation: neue Gesetze und Regulierungen, ausufernde Bürokratie
Inflation kommt also nicht ausschliesslich durch masslose Zentralbanker, Corona-Massnahmen, Ukraine-Krieg, etc. zu Stande, sondern manchmal durchaus hausgemacht durch steigende Regulierungen und Bürokratie...

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Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
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Geldpolitik und Inflation
Seit der Finanzkrise 2008 ist in der Geldpolitik eine neue Ära angebrochen. Alle wichtigen Zentralbanken weltweit weiteten ihre Geldmengen in davor undenkbarem Ausmass aus.
2011 beschwichtigte der damalige FED-Chef Bernanke, dass diese Massnahmen nur temporär seien und nichts mit verbotener Staatsfinanzierung zu tun hätten: «Eine Monetarisierung würde eine permanente Erhöhung der Geldmenge erfordern, um die Rechnungen der Regierung durch Geldschöpfung zu bezahlen.  Was wir hier tun, ist eine vorübergehende Massnahme, die rückgängig gemacht wird, sodass am Ende dieses Prozesses die Geldmenge normalisiert ist, die Bilanz der Fed normalisiert ist und
es keine dauerhafte Zunahme gibt,  auch nicht bei den ausstehenden Geldern oder in der Bilanz der Fed.»
Wer heute die Entwicklung anschaut, sieht, wie weit weg diese Aussage von jeglicher Realität ist. Von Herbst 2008 bis hin zur Aussage von Bernanke hat sich die Bilanzsumme der FED mehr als verzweieinhalbfacht. Seit der Aussage von Bernanke, dass sich die Bilanzsumme wieder normalisieren werde, ging die Bilanzsumme aber nicht zurück. Im Gegenteil, sie hat sich bis heute nochmals verdreieinhalbfacht und liegt heute fast auf dem 10-fachen Niveau vs. 2008. Wie würde wohl heute Bernanke die Schuldenmonetarisierung abstreiten?
Die Zentralbanker konnten sich lange hinter der Illusion verstecken, dass die masslose Ausweitung der Geldmenge entgegen aller Erfahrung dieses Mal keine Konsumentenpreisinflation verursachen würde. Diese Illusion des geldpolitischen «Free Lunch» ist nun allerdings geplatzt.
Der Auslöser für den bekannten «Ketchup-Effekt» (die Flasche wird geschüttelt und kein Ketchup [Inflation] kommt heraus bis plötzlich alles auf der Hose ist) war vermutlich die Pandemie. Corona-Lockdowns führten zu Lieferengpässen und zusammen mit von Staaten verteilten Unterstützungsgeldern zu einem Nachfrageüberhang und steigenden Preisen.
Mittlerweile ist die Inflation längst nicht mehr eingeschränkt auf Bereiche mit Lieferengpässen, sondern sie ist leider breit abgestützt und hat in den USA mit knapp 8% ein seit über 40 Jahren nicht mehr gesehenes Niveau erreicht. In der Schweiz steht die Inflation dank dem eher starken Schweizer Franken bei deutlich akzeptableren 2,2%. Der Ukraine-Krieg hat die Aufgabe der Zentralbanker zwar schwieriger gemacht, sie können sich aber nicht hinter Sündenbock Putin verstecken. Die Inflation ist schon davor angestiegen und ist nicht nur auf den Energie- und Lebensmittelbereich eingeschränkt.
Die Inflation dürfte in den nächsten zwei Monaten wohl das Höchst zunächst erreicht haben und leicht zurückgehen. Dennoch täten die Zentralbanker gut daran, ihre masslose Geldpolitik endlich zu verlassen und die Inflation mit deutlichen Zinserhöhungen und der Rücknahme von Liquidität ernsthaft zu bekämpfen. Bisher waren sie viel zu zögerlich. Von alleine wird sich die Inflation nicht mehr in die Ketchupflasche zurückziehen.

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Kaufen, wenn Kanonen donnern
So lautet ein altes Börsensprichwort. So paradox das tönt und so hart es für die Direktbetroffenen ist, Kaufen wenn Panik im Markt ist, ist oft vorteilhafter als nach langer Schönwetterphasen. Das macht sich längerfristig spürbar in der Rendite bemerkbar. Ob der Zeitpunkt für einen breiten Einstieg nun aber schon gekommen ist, bezweifle ich. Persönlich glaube ich eher, dass der Ukraine-Krieg ein Verstärker der bereits bestehenden Probleme sein könnte und die Zeit für einen massiven Einstieg in die Aktien (noch) nicht gekommen ist. Aber jetzt alles verkaufen, erscheint mir im jetzigen Umfeld auch falsch zu sein. Im inflationären Umfeld braucht es einen rechten Teil Sachwerte. Da gehören auch Aktien guter Firmen dazu. Man muss aber immer gewillt sein, diese durch eine längere Krise durchhalten zu wollen und vor allem auch zu können.
Minuszins gehört abgeschafft
Ein gewaltiger Teuerungsschub geht im Moment gerade über die USA und Europa hinweg. Etwas abgeschwächt durch den sehr starken Schweizer Franken kommt er auch bei uns an. Diese Teuerung wird durch den Krieg in der Ukraine verstärkt, der Auslöser sind aber vor allem die Zentralbanken mit ihrer aus meiner Sicht masslosen Geldpolitik über die letzten bald 15 Jahre. Alles andere ist eine willkommene Ausrede. Will man den Mittelstand nicht ausbluten, dann müssen nun rasch die Minuszinsen weg. Einerseits aus der immer stärker aufkommenden Teuerungsproblematik und anderseits auch, weil diese zum Umstieg in riskantere Anlagen verleitet, was ja kaum ein sinnvolles Ziel sein kann. Sonst brennt es plötzlich an ganz anderen Orten, obwohl man eigentlich löschen wollte.
Aktienrückkaufprogramm von Lindt & Sprüngli
Kürzlich hat der Schokoladenproduzent Lindt & Sprüngli ein Aktienrückkaufprogramm über 750 Mio. bekannt gegeben. Regelmässige Leser kennen meine kritische Meinung dazu. Gerade bei einer Firma, welche sehr stolz bewertet ist, macht das nur beschränkt Sinn. Natürlich wird der Gewinn verdichtet. Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack, wird doch oft versucht, mit Rückkaufprogrammen der Aktienkurs für Optionsprogramme des Managements hoch zu halten. Dieses hat in den letzten 15 Jahren sicher operativ einen guten Job gemacht. Wenn ich aber die grossen Aktienverkäufe des Managements in den letzten Jahren anschaue, macht jetzt ein Aktienrückkaufsprogramm der Gesellschaft nicht unbedingt viel Sinn. Ausser man setzt es wirklich gezielt temporär ein, falls die Kurse übermässig unter Druck geraten. Wenn günstig eingekauft werden könnte, dann bin ich voll dabei. Bei einem Preis-/Gewinnverhältnis von rund 40 kann davon aber kaum die Rede sein.

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Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Erbrecht: Was gilt ohne Testament?
Das Erbrecht betrifft alle Menschen einmal, sei es als Erblasser oder als Erbe. Trotzdem setzen sich die wenigsten damit auseinander. Wo keine letztwillige Verfügung vorliegt, kommt das gesetzliche Erbrecht zum Zug. Dieses folgt einer Stammesordnung und umfasst den Stamm der Nachkommen, den Stamm der Eltern und den Stamm der Grosseltern. Der nähere Stamm schliesst dabei den entfernteren aus. Ehegatten, eingetragene Partner und Adoptivkinder gehören als einzige Nichtblutsverwandte zu den gesetzlichen Erben.
• Bei verheirateten Erblassern mit Nachkommen fällt der Nachlass von Gesetzes wegen je zu ½ an den überlebenden Ehegatten und zu ½ an die Nachkommen.
• Bei verheirateten Erblassern ohne Nachkommen beträgt der gesetzliche Erbteil des Ehegatten ¾ des Nachlasses, dem Elternstamm fällt ¼ zu.
• Bei kinderlosen Erblassern fällt der Nachlass von Gesetzes wegen je hälftig an den Vater bzw. die Mutter.

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Neues Pflichtteilsrecht ab 1. Januar 2023
Der Pflichtteil ist ein gesetzlich geschützter Mindestanteil am gesetzlichen Erbteil. Ein auf den Pflichtteil gesetzter Erbe errechnet seinen Anspruch, indem er seinen gesetzlichen Erbteil (siehe oben) mit dem Pflichtteil multipliziert. Je näher die Verwandtschaft zwischen Erblasser und gesetzlichen Erben ist, desto geringer stellt sich die Verfügungsfreiheit dar. Ab 1. Januar 2023 wird diese jedoch wie folgt erhöht:

Pflichtteile bisher – Pflichtteile ab 1.1.2023
Nachkommen: 3/4 des gesetzlichen Erbteils – 1/2 des gesetzlichen Erbteiles
Ehegatten: 1/2 des gesetzlichen Erbteils – 1/2 des gesetzlichen Erbteiles
Eltern: 1/2 des gesetzlichen Erbteiles – kein Pflichtteil

 

 

 

Überprüfen Sie Ihr Testament
Die Reduktion des Pflichtteiles der Nachkommen sowie die Abschaffung des Pflichtteils der Eltern erhöhen den Gestaltungsspielraum vieler Erblasser. Gerade auch für Unternehmer,
die oftmals einen Grossteil des Vermögens im eigenen Geschäft gebunden haben, erleichtern die neuen Regelungen die Weitergabe des Unternehmens durch entsprechende Begünstigungen.
Familien- und Vermögensverhältnisse unterliegen laufenden Veränderungen. Eine regelmässige, fachmännische Überprüfung bestehender letztwilliger Verfügungen empfiehlt sich daher sehr!

 

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Holpriger Jahresstart
Die Aktienmärkte sind mit zunehmender Volatilität und grösseren Tagesschwankungen ins neue Jahr gestartet. Ob das die Trendwende nach einem Hausse-Jahrzehnt einläutet, werden wir in ein paar Monaten wissen. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Zinssituation weiter normalisieren sollte und damit die Zeit des Gratisgeldes zu Ende gehen könnte. Aber ehrlich gesagt, das hat man schon mehrmals gemeint und es ist immer wieder anders gekommen. Jeder Rückschlag wurde wieder zu Nachkäufen genutzt und die Aktienmärkte sind immer rauf und die Anleihenrenditen runter gegangen. Einiges spricht dafür, dass es anders kommen könnte. Aber ich bleibe bewusst beim Konjunktiv. Sicher ist man nur im Nachhinein. Als Zentralbanker, welcher vor allem auf die Geldwertstabilität schauen müsste, würde ich mich im Moment nicht mehr sehr wohl fühlen.

Kann man die Politik noch ernst nehmen?
Aufs Glatteis mit Corona wage ich mich jetzt nicht. Da gibt es bereits acht Millionen Experten in der Schweiz und da kann man fast nur verlieren. Als ich vor ein paar Wochen den Sinneswandel wegen der Kernenergie in der EU gelesen hatte, musste ich einfach nur lachen. Viel zu gefährlich, nicht nachhaltig und so weiter wurde über Jahre gepredigt. Aussteigen so rasch wie möglich und nun soll plötzlich alles anders sein? Rein aus persönlichem Interesse verfolge ich Energiediskussionen schon lange und konnte viele Überlegungen nicht nachvollziehen. Eine Decarbonisierung mit einem gleichzeitigen Atomausstieg ohne Komfortverlust innerhalb weniger Jahre schien mir immer sehr unrealistisch. Es braucht realistische Einschätzungen und Kompromisse. Die perfekte Lösung ohne Probleme und Risiken, welche wenig kostet, gibt es einfach nicht. Selbst wenn die Kosten eine untergeordnete Rolle spielen würden.
Ich freue mich auf ein spannendes und hoffentlich auch erfreuliches 2022 und hoffe, dass wir uns wieder vermehrt auf realistische und machbare Lösungen konzentrieren und weniger den ideologischen Traumvorstellungen nachrennen. Nichts gegen Visionen und Veränderungen. Sie brauchen aber Zeit und dürfen nicht zu noch grösseren Problemen führen.

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Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Aktienpreise versus Realwirtschaft
«Früher» versuchte man den Wert einer Aktie in Relation zu Gewinn oder Umsatz zu setzen, schliesslich ist der Wert (nicht der Preis) einer Firma davon abhängig, was sie in der realen Wirtschaft erarbeitet. Solche «altmodischen» Überlegungen haben scheinbar in den letzten 20 Jahren ihre Berechtigung verloren, die Bewertungen erreichten nie zuvor gekannte Höhen.
Die meistgehörte Begründung war, dass die Zentralbanken so viel Liquidität in die Märkte und die Zinsen damit auf Null drückten, dass die neuen höheren Bewertungen gerechtfertigt seien. Das würde erst ändern, wenn Inflation wieder auftaucht. Das ist jahrzehntelang nicht passiert, letztes Jahr dafür aber umso explosiver. Derzeit beträgt die Inflation in den USA extrem hohe 7%. Ein Niveau, das seit 40 Jahren nicht mehr gesehen wurde. Trotzdem haben die Märkte bisher nicht korrigiert.
Es bleibt noch das Argument, dass die Zinsen (trotz Inflation) ja immer noch tief seien. Doch wie lange noch? Den vorsichtigen Investoren gehen langsam die Argumente aus. Der Fondsmanager Sir John Templeton hat einmal gesagt: «The four most dangerous words in investing are: this time it’s different.» Ist es diesmal tatsächlich das erste Mal «anders»?

Inflation und Geldpolitik
Was sind die offiziellen Ziele der Zentralbanken? 1. Geldwertstabilität, 2. Vollbeschäftigung, 3. Systemstabilität.
Und wo stehen wir diesbezüglich? Bei der Geldwertstabilität steht die Ampel auf rot, die Geldentwertung schreitet so schnell voran wie letztmals in den 70er-Jahren. Bei der Vollbeschäftigung steht die Ampel bestenfalls auf Orange, wir sind in den USA mit einer
Arbeitslosenquote von 3,9% recht tief, weiterer Schub ist weder nötig noch sinnvoll. Und bei der Systemstabilität müssten die Ampellichter auf Dunkelrot stehen angesichts der noch nie gesehenen teuren Bewertungen im Vergleich zur Realwirtschaft sowohl von Aktien wie auch Immobilien und einem damit drohenden Crash oder zumindest viel geringeren künftigen Erträgen.
Nach traditionellen Massstäben und gemessen an den eigenen Zielen der Zentralbanken hätten diese also längst schon auf das Bremspedal treten müssen. Das lässt sich auch mit Modellen quantifizieren. Das berühmteste davon ist die so genannte Taylor-Rule. Nach dieser müsste die Federal Reserve Rate derzeit bei 5 bis 6% stehen, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Selbst ohne restriktiv, sondern einfach nicht mehr expansiv zu sein, läge gemäss Taylor-Rule der Zinssatz etwa bei 3%. Und wo stehen wir? Bei 0 bis 0,25%, eine solch extreme Abweichung hat es noch nie gegeben.
Die Zentralbanker scheinen in einem eigenartigen Gruppendenken gefangen und sind wesentlich in Verzug mit der Bekämpfung der Inflation. Mit einer solch waghalsigen Geldpolitik nehmen sie bewusst in Kauf, dass der Mittelstand massiv geschädigt wird. Die Fed hat immerhin angekündigt, dass sie ganz minim vom Gas gehen wird.
Uneinsichtig ist noch immer Frau Lagarde von der EZB, die nicht nur die Augen absichtlich verschliesst, sondern sich auch noch die Ohren zuhält, um die Geldmengenausweitung mit Vollgas fortzuführen. Doch die EZB schert sich nicht nur keinen Deut um ihre Ziele, sie schert sich auch keinen Deut um ihre Verbote. Mit ihren gigantischen Käufen von Staatsanleihen finanziert die EZB Staatsdefizite, was ihr eigentlich klar verboten ist.

Anlageimplikationen
Angesichts der überteuerten US-Aktienmärkte raten wir zu einem Aktien-Untergewicht, einem Ausweichen auf günstigere Aktienmärkte wie den Emerging Markets und Teilen in Europa und einem Gegengewicht in Rohstoffen inkl. Edelmetallen. Obligationen in CHF und EUR sind trotz leicht höheren Zinsen noch immer selten lohnenswert, im Gegenzug ist der Schweizer Franken Cash-Bestand trotz hoher Inflation sehr hoch.

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Enormes Rückkaufsprogramm bei Novartis
Novartis will bis Ende 2023 eigene Aktien im Wert von bis zu 15 Milliarden zurückkaufen. Regelmässige Leser wissen, dass ich meist kein Fan von Aktienrückkäufen bin. Leider habe ich in der Vergangenheit oft beobachtet, dass zu Spitzenpreisen Aktien zurückgekauft wurden. Böse Zungen behaupten manchmal, damit die Optionen der Manager mehr Wert wurden…
Novartis hat soeben sein grosses Roche-Inhaber-Aktienpaket verkauft und «schwimmt» damit in Liquidität. Zukäufe sind im Moment teuer und einfach nur Liquidität halten ist angesichts von Minuszinsen auch kaum die alleinige Option. Der Kurs der Novartis-Aktie ist im Vergleich zu vielen anderen Aktien recht vernünftig. Dies hat aber auch mit der eher bescheidenen Pipeline an neuen, umsatzstarken Medikamenten zu tun. Für mich macht es so Sinn, für einen Teil der Liquidität Aktien zurückzukaufen und gleichzeitig nach kleineren Übernahmeobjekten Ausschau zu halten. Ich bleibe vorläufig bei Novartis engagiert.
Basilea, Idorsia, Santhera, Polyphor und weitere sind Schweizer Biotech-Firmen, welche in völlig unterschiedlichem Zustand sind, alle aber kursmässig eher schwierige Zeiten durchmachen. Während Santhera und Polyphor nach Entwicklungsmisserfolgen nur noch ein Schattendasein frönen, sind Basilea und vor allem Idorsia doch von anderer Bedeutung und Grösse.
Es zeigt sich aber, dass der Weg bis zu einem marktreifen Medikament oft harzig und steinig verläuft und sehr viel Kapital und Geduld braucht. Basilea hat schon längere Zeit erste Produkte, schreibt aber immer noch Verlust. Idorsia hofft auf eine erste Zulassung in den nächsten Wochen. Als kleine Beimischung kann ich mir beide Titel vorstellen. Basilea könnte zudem mal ein Übernahmekandidat werden. Anstelle teurer Lizenzgebühren zu zahlen, könnte Pfizer die Firma vielleicht auch mal übernehmen.
Ich wünsche Ihnen erholsame und schöne Festtage und einen erfreulichen und gesunden Start ins 2022.

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Inflation so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr
Ich habe das Thema Inflation im Juli- und August-Ratgeber aufgegriffen. Seither ist die Inflation in vielen Ländern weiter angestiegen, auf ein Niveau, das wir 30 Jahre und länger nicht mehr gesehen haben: 6,2% in den USA, 4,2% im Vereinigten Königreich, 5,2% in Deutschland und 4,9% in der Eurozone. In der Schweiz steigt die Inflation auch, wir stehen aber mit derzeit 1,5% noch vergleichsweise gut da.
Inflation nicht nur temporär so hoch
Anfänglich leugneten die Zentralbanker schlicht, dass ihre Massnahmen Infla­tionsgefahren mitbeinhalten. Sie hatten auch gute Argumente. Jahrelang versuchten sie vergeblich, die Inflation anzufachen. Diese blieb hartnäckig unter dem angestrebten Niveau von etwa 2%.
Dieses Jahr nun stieg die Inflation «endlich», und zwar so deutlich, dass vorsichtigere Experten schon früh Bedenken äus­serten. Die Antwort der Zentralbanker war, das sei nur der Corona-Delle von letztem Jahr geschuldet. Das war eine offensichtlich «dumme» Antwort, denn vor einem Jahr war die Inflation nicht etwa negativ, sondern einfach tief. Die Inflation stieg in den folgenden Monaten weiter. Die Zentralbanker passten ihre Antwort an, die Inflation sei nur «transitorisch» so hoch und unmittelbar in den kommenden Monaten wieder auf gewohnt tiefem Niveau. Frau Lagarde von der EZB ist auf diesem Level stecken geblieben. Der Chef der US Notenbank Fed, Jerome Powell, hat hingegen letzte Woche endlich zugegeben, dass es Zeit sei, die Inflation nicht mehr als «vorübergehend» zu bezeichnen. Er rechne damit, dass der Preisanstieg länger als bisher erwartet auf hohem Niveau bleibe. Lieber späte Einsicht als gar keine.
Wie reagieren die Zentralbanken?
Wer nun denkt, dass die Fed nun aufs geldpolitische Bremspedal stehen würde, täuscht sich. Weder stehen unmittelbar höhere Zinsen an, noch wird Liquidität aus dem Markt genommen. Was die Fed an ihrer nächsten Sitzung im Dezember möglicherweise beschliessen wird, ist, etwas schneller vom Gas zu gehen als bislang angekündigt. Mit anderen Worten bleiben die Zinsen vorerst weiterhin auf Tiefstständen und es wird weiterhin – wenn auch weniger schnell als bisher gedacht – Liquidität in den Markt gedrückt. Ob das reichen wird, um die Inflation im Zaum zu halten, wird sich zeigen.
Inflation produziert fast nur Verlierer
Wir erwarten zwar nächstes Jahr einen Rückgang der Inflation, aber selbst wenn bspw. die Inflation «nur» noch bei +3% liegen würde, wäre die US-Inflation über zwei Jahre bei fast 10%. Das hat sowohl Einfluss auf die Kaufkraft von Ersparnissen (10% weniger auf die gesamten Ersparnisse in zwei Jahren ist substanziell, und selbst danach dürfte die Inflation nicht verschwunden sein) wie auch auf
die Kaufkraft der Löhne der Arbeitnehmer. Wenn die Löhne nicht ebenfalls 10% steigen, dann hat auch der einfache Arbeitnehmer Einbussen.
Am wenigsten Einbussen hätten die in Sachwerte investierten vermögenden Personen. Inflation in der aktuellen Grössenordnung produziert fast nur Verlierer. Vor allem hat Inflation das Potenzial, innert weniger Jahre den Mittelstand komplett zu eliminieren. Zentralbanker sollten deshalb endlich von der Masslosigkeit ihrer Geldmengenausweitung wegkommen.

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