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Ratgeber Finanzen 22 – 2024

Christoph Zehnder, eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
www.ruetschi-ag.ch

Nimmt der Staat einen immer grösseren Teil in unserem Leben ein?
Es ist Ihnen vielleicht auch schon so gegangen: Es gibt gefühlt mehr Gesetze. Mehr Verordnungen. Mehr Regulierung. Mehr Bürokratie. Mehr Mehrwertsteuer. Mehr Staatsangestellte. Mehr Zuwanderung. Mehr Sozialausgaben. Mehr… Aber stimmt das auch?
Die Staatsausgaben wuchsen massiv überproportional
Christoph Schaltegger, Ökonomieprofessor an der Uni Luzern, geht in einem Artikel vom 16. Januar 2024 in der FuW auf den finanziellen Teil zum oben geschilderten «Mehr-Staat» ein.
«Rechnet man die Inflation heraus, sind die Schweizer Staatsausgaben seit 1995 fast 3 Prozent gewachsen, und das jedes Jahr. Damit haben sich die Staatsausgaben seit Mitte der Neunzigerjahre mehr als verdoppelt.»
Die Bevölkerungszahl hat sich in dieser Zeit zwar ebenfalls deutlich erhöht. Das BIP-Wachstum war in diesem Zeitraum dennoch deutlich geringer (nur etwa 60 Prozent). Der Eindruck täuscht also nicht: In den Finanzen zeigt sich, der Staat ist massiv überproportional gewachsen.
Welche Bereiche sind wie stark gewachsen?
Wiederum aus dem Artikel von Christoph Schaltegger: «Die Bundesausgaben für die öffentliche Ordnung und die Landesverteidigung, ein Pfeiler unseres friedlichen Zusammenlebens, stiegen seit 1990 etwa 1 Prozent jährlich. Für Verkehrsinvestitionen gab es 3 Prozent pro Jahr. Einsamer Spitzenreiter ist jedoch die soziale Wohlfahrt: Jedes Jahr geben wir etwa 5 Prozent mehr dafür aus. Seit 1990 haben sich die Bundesausgaben für soziale Wohlfahrt nach Abzug der Inflation mehr als verfünffacht.»
Auch die Schweiz lebt über ihre finanziellen Verhältnisse
Die finanzielle Lage der Schweiz ist zwar weniger schlecht als im Ausland. Die USA schreiben bspw. derzeit ein Defizit in der Grössenordnung von 6 Prozent des Bruttoinlandprodukts BIP, und das in einer Phase ohne Krieg (zumindest nicht vor Ort in den USA), Pandemie oder Rezession, sondern bei praktisch Vollbeschäftigung. Das überparteiliche Haushaltbüro des Kongresses (Congressional Budget Office CBO) geht selbst ohne Prognose einer Rezession davon aus, dass die US Netto-Staatsschulden sich in den nächsten 30 Jahren von aktuell 95 Prozent vom GDP auf über 170 Prozent erhöhen werden.
Aber: «Auch die Schweiz lebt über ihre Verhältnisse. Zwanzig Jahre unbeschwerte wirtschaftliche Verhältnisse haben uns genügsam und träge gemacht. Wir vergleichen uns gerne mit unseren europäischen Nachbarländern, die vor massiven wirtschaftlichen und politischen Problemen stehen, und sagen dann beruhigt: Uns geht’s noch gut. Doch dieser Vergleich ist fantasielos. Stattdessen ist es Zeit für eine unvoreingenommene, ehrliche und scheuklappenfreie Prüfung aller staatlichen Ausgaben, Posten für Posten.»
Fokussierung zwingend nötig
Die Frage sollte also künftig nicht mehr vor allem lauten, was ist wünschenswert und «nice to have», was kann der Staat sonst noch alles für mich tun, sondern was ist prioritär und wichtig, wo können wir das überbordende Ausgabenwachstum bremsen und wie unterstützen wir dadurch entstehende Härtefälle. Weniger Giesskanne – mehr zielgerichtete Präzision.

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Ratgeber Finanzen 19 – 2024

Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
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Fricktaler Immobilienmarkt recht stabil

Die durch Corona noch verstärkte Aufwärtsbewegung hat sich seit den Zinsanstiegen massiv beruhigt. Die recht hohen Preise und die höheren Zinsen haben die Nachfrage etwas gedämpft. Das sehr knappe Angebot während der Coronapandemie hat sich auch wieder etwas normalisiert und wir bewegen uns auf hohem Niveau grösstenteils in einer Seitwärtsbewegung. Die Vermarktungsphase ist oft länger, Übertreibungen und Fantasiepreise sind selten geworden. Angst oder Panik ist aber absolut nicht zu erkennen.
Machbarkeits- und Steuerungswahn nimmt Überhand
Ich komme immer wieder nicht aus dem Staunen heraus, wenn ich sehe, was die Politik alles machen und steuern will. Hier geht es nicht um eine Groblenkung, sondern teilweise fast bis ins letzte Detail. Eigentlich haben wir im früheren Ostblock gesehen, dass Planwirtschaft auf die Dauer komplett versagt. Alles stöhnt über ausufernde Bürokratie. Diese wird aber mit noch mehr Gesetzen und Bürokratie bekämpft. Riesige Ausgaben werden beschlossen, ohne deren Finanzierung gesichert zu haben. Alles soll möglich sein: Wir sind ja reich und wollen alles, aber jemand anderes soll es bezahlen. Hier müssen wir wieder massiv Gegensteuer geben. Wohlstand entsteht nicht durch immer weniger arbeiten und grenzenlose Umverteilung. Permanent ohne Anstrengung sind der Fünfer, das Weggli und der Schoggistengel einfach nicht möglich, auch wenn es schön wäre…. Wenn wir längerfristig international konkurrenzfähig bleiben wollen, müssen wir wieder vermehrt ein Umfeld schaffen, in welchem sich Mehrarbeit lohnt, unternehmerische Freiheit Innovation befeuert und Bürokratie nur ein Nebenschauplatz ist. Dafür braucht es aber alle. Politik und Verwaltung sollten sich mässigen und sich bei jedem neuen Gesetz genau überlegen, was es für Folgen hat, und ob es gesamtheitlich einen Nutzen bringt. Für alle viel Mehraufwand und schlussendlich kaum messbarer Mehrertrag ist nicht schlau. Heute muss alles nachhaltig sein. Wenn man wirklich so denken würde, wären viele Entscheide ganz anders ausgefallen, und man man würde den zukünftigen Generationen weniger aufhalsen.
Teuerung bleibt resistent
Auch wenn sich die Teuerungsraten in den letzten neun Monaten massiv zurückgebildet haben, ganz weg ist das Thema nicht, und die Zentralbanken müssen ein sehr waches Auge auf dieses Thema behalten. Einigermassen stabile Preise sind das A und O für einen vernünftigen Wohlstand, sozialen Frieden und sind eine der Grundvoraussetzungen für das Vertrauen in unser Finanz- und Geldsystem. Ist dies mal nachhaltig gestört, wird es sehr mühsam, aus einer Negativspirale wieder herauszukommen. Solche Beispiele gibt es in der Geschichte genug und wir müssen extrem aufpassen, dass wir nicht wieder die gleichen Fehler machen.

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Ratgeber Finanz 16– 2024

Christoph Zehnder, eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
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Starkes Quartal an Aktienmärkten
Sowohl der Dax wie auch der S&P500 konnten mehr als 10 Prozent zulegen. Beim S&P500 war es gar das zweite Quartal in Folge mit einem Zuwachs von mehr als 10 Prozent. Zwei zweistellige Quartalszuwächse hintereinander hat es in den 314 Quartalen seit Ende des zweiten Weltkrieges beim S&P500 erst achtmal gegeben. Die beste Rendite des darauffolgenden Quartals war +5 Prozent, die schlechteste -12 Prozent.
…und auch bei Gold
Neue Höchststände gab es nicht nur bei diversen Aktienmärkten (z.B. auch beim Nikkei nach über 34 Jahren), bemerkenswert war vor allem der starke Anstieg des Goldpreises. Gold übertraf die alten Höchstwerte deutlich in einem
Umfeld von relativ starkem USD und steigenden Realzinsen, was üblicherweise beides nicht für Gold spricht. Hier scheinen nichtwestliche Zentralbanken und andere Anleger ihre USD-Abhängigkeit reduzieren zu wollen.
US-Wirtschaft robust, aber Bewertungen sehr teuer
Die US-Wirtschaft entwickelte sich trotz der höheren Zinsen robust. Da die Gewinnanstiege aber mit den starken Aktienpreisanstiegen nicht mithalten konnten, sind die Bewertungen noch höher als in den letzten Quartalen. Vergleichen wir den aktuellen Stand des S&P500 mit dem alten Höchststand per Anfang 2022, so lässt sich feststellen, dass in diesem Zeitraum a) der S&P500 Aktienindex angestiegen ist, b) die Gewinne der S&P500 Firmen gesunken sind und dies c) in einem Umfeld, in welchem die Zinsen von knapp über 0 Prozent auf über 5 Prozent angestiegen sind. Die Investoren sind also bereit, mehr zu zahlen für etwas, das weniger Rendite liefert, und das obwohl Alternativen wie Zinspapiere wesentlich besser rentieren. Nicht unbedingt, was man sich als Anleger wünscht. Auch im grösseren Zeitraum bestätigt sich das. Die aktuellen Bewertungen gehören zu den höchsten im letzten Jahrhundert.
Bewertungsmodelle taugen nur für längerfristige Prognosen, da aber erstaunlich gut
Bewertungsmodelle taugen allerdings nur schlecht für kurzfristige Prognosen. Für die Frage, ob die Aktienmärkte im folgenden Jahr weiter steigen oder nun sinken, nützt die Analyse der aktuellen Bewertung also nur wenig. Erstaunlich gut aber ist der Track Record von guten Bewertungsmodellen für einen Prognosehorizont von etwa einem Jahrzehnt. Die aktuelle Prognose eines der besten Modelle (https://www.hussmanfunds.com/comment/mc240321/) lautet auf etwa -4 Prozent pro Jahr auf einen Zeithorizont von 12 Jahren. Noch nie, mit Ausnahme von Ende 2021, war das Modell so negativ bzw. die Bewertung so teuer. Auf die 12 Jahre hinaus entspricht das einem Minus von etwa 40 Prozent bzw. einem Kursniveau vom S&P500 von etwa 3200 (aktuell stehen wir bei etwa 5200). Auch wenn es nicht so negativ kommen muss, genug Grund für uns, an unserer vorsichtigen Einschätzung zu den amerikanischen Aktien festzuhalten.

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Ratgeber Finanzen 13 – 2024

Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
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Zinssenkung: Die Überraschung ist geglückt
Der Markt spekulierte schon länger über anstehende Zinssenkungen der kurzfristigen Leitsätze. Man vermutete mögliche Schritte aber eher im zweiten Teil des Jahres. Der (kleine) Schritt kam nun bereits im März und man konnte wieder mal zeigen, dass die Schweizer Nationalbank eigenständig ist. Der sofort sichtbare Effekt war, dass der in den letzten Jahren sehr starke Franken etwas an Stärke verloren hat und US-Dollar und Euro merklich zulegen konnten. Das könnte der SNB nicht ganz ungelegen kommen, hat sie doch immer noch eine aufgeblähte Bilanz aus den vielen Massnahmen der letzten bald 10 Jahre. Der im Herbst zurücktretende Vorsitzende Jordan könnte somit möglicherweise seinen «Laden» noch etwas aufgeräumter übergeben, sprich die immensen Fremdwährungsanlagen weiter abbauen und die Bilanz damit verkürzen. Es ist aber schon so, dass die Schweiz vom Inflationsschock viel weniger stark getroffen wurde als unsere europäischen Nachbarn oder auch die USA. Aus meiner Sicht nicht, weil wir überall viel besser sind, sondern eher, weil die meisten anderen noch viel mehr Fehler machen. Die daraus schwächelnden Währungen haben den Schweizer Franken stärker gemacht, was die importierte Teuerung abschwächt. Durch die Zuwanderung vieler Fachkräfte konnte auch eine mögliche Lohnsteigerungsspirale, welche oft in inflationären Zeiten zu beobachten ist, in der Schweiz bis jetzt unter Kontrolle gehalten werden. Kurzum, die Schweiz hat diese seit langem erste Inflationsphase recht ordentlich überstanden. Ob das schon das Ende war, wage ich zu bezweifeln. Die Geschichte zeichnete oft ein anderes Bild. Auch bezweifle ich, dass die Industrieländer ihre Finanzen wieder in den Griff bekommen. Masslose Defizite und Schulden machen hilft nur kurzfristig. Längerfristig kann es eine Zeitbombe sein. In der Schweiz wird diese kleine Zinssenkung aber eine «Verschnaufspause» bringen. Die Hypothekarschuldner und auch die Mieter (Referenzzinssatz wird wahrscheinlich nicht so schnell steigen) können weiterhin von sehr tiefen Sätzen profitieren.

Gold auf Rekordkurs
Der Goldpreis liegt aktuell bei rund 63 000 Franken pro Kilo oder 2175 Dollar pro Unze.
Gold war schon länger stark, hat aber in den letzten Monaten einen kleinen Sprung nach oben genommen. Für mich ein klareres Indiz, dass man ausserhalb des «Papiergelds» noch «harte» Alternativen sucht. Nicht Papiergeld, sondern Sachwerte. Etwas schwächere Zinsen haben diesem Aufwärtstrend sicher nicht geschadet, da Goldanlagen in Phasen von hohen Zinsen weniger interessant sind, da sie keine Zinsen bringen. Ein hoher Goldpreis ist für mich teilweise ein Fieberbarometer und zeigt, dass die Unsicherheit allgemein hoch oder sogar sehr hoch ist. Neben Kriegen stehen grosse und teure Herausforderungen wie Energiewende, Klimawandel, überalternde Gesellschaft mit Finanzierungsproblemen der Renten und ausufernde Kosten im Gesundheitswesen usw. usw. an. Wie das finanziert werden soll, steht mindestens teilweise in den Sternen. Die Gefahr ist gross, dass durch die Hintertür noch mehr Schulden gemacht werden und das Finanzsystem so längerfristig noch mehr untergraben wird. Auch die Rekordpreise von Bitcoin könnten eine ähnliche Unsicherheit aufzeigen.

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Ratgeber Finanz 10– 2024

Christoph Zehnder, eidg. dipl. Vermögensverwalter
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AI als Treiber hinter sehr teurer US-Börse
AI (artificial intelligence oder zu deutsch künstliche Intelligenz oder KI) treibt die Börse weiter an. Insbesondere der Chip-Produzent NVIDIA hat sich zum grossen Profiteur gemausert und streicht riesige Gewinne ein. Dementsprechend hat auch die Aktie weiter massiv zugelegt.
Andere gigantische Titel, die ebenfalls als Profiteure von AI gelten und letztes Jahr und teilweise auch dieses Jahr zugelegt haben, sind Amazon, Google, Meta (Facebook), Microsoft. Was dabei etwas vergessen geht, ist, dass diese Titel die Kunden von Nvidia sind. Diese Titel werden künftig vielleicht schon einmal als Anbieter von Cloudlösungen profitieren, derzeit aber müssen sie v.a. investieren, sprich, sie zahlen ein, ein Grossteil davon an Nvidia.
Der Anteil von Nvidia an Data Center Investitionen dieser Titel ist von relativ stabilen 10% auf 40% angestiegen. «There is no free lunch.» Einmal mehr scheinen die Börsen von einem neuen Thema so geblendet, dass die Aktienkurse der Realität etwas gar weit vorauslaufen. Auch wenn AI mithelfen wird, die künftige Produktivität weiter zu steigern, wird das Ganze dauern und auch viele Investitionen bedingen. Die Einnahmen des einen sind die Ausgaben des anderen.
Der S&P500 steht heute höher als vor seinem alten Höchststand per Anfang 2022, die Gewinne sind jedoch noch tiefer. Und was hier noch vergessen geht: damals lagen die FED-Zinsen knapp über null, heute sind sie (noch) bei über 5%! Jahrelang wurde als Begründung für die steigenden Bewertungen angeführt, dass die tiefen Zinsen die höheren Bewertungen rechtfertigen würden. Komisch, wenn das umgekehrt dann nicht gelten soll.

Was ist denn nur mit Holcim los?
Im September 2021 war dies der Titel unseres damaligen Ratgebers. Der SMI stand bei knapp 12 000 Punkten, also etwas höher als heute. Der Kurs von Holcim lag unter Fr. 46.– und kam auf keinen grünen Zweig, obwohl operativ Fortschritte zu sehen waren. Unsere Empfehlung lautete damals: «Trotz Damoklesschwert von möglichen US-Strafen erscheint uns Holcim als einer der (aktuell eher wenigen) Titel mit guten mittelfristigen Aussichten.»
Unterdessen ist Musik in die Aktie gekommen und knapp zweieinhalb Jahre später liegt der Kurs von Holcim nun bei Fr. 72.–, hat also mehr als 56% zugelegt. Operativ hat Holcim weitere Fortschritte zeigen können. CEO Jan Jenisch treibt den Konzernumbau voran, will etwas weg vom CO2-intensiven Zementbereich, eher hin zu Bauisolation und hat angekündigt, dass Holcim den US-Teil verselbstständigen und an die US-Börse bringen möchte. Im Vergleich zu den erzielten und auch erwarteten Gewinnen ist Holcim nach wie vor nicht sehr teuer, aber bei weitem auch nicht mehr so günstig bewertet wie im 2021. Wer sich damals günstig eingedeckt hat, kann sich unserer Meinung nach durchaus überlegen, einen Teil oder die ganze Position zu verkaufen und Gewinne zu realisieren. Wir bleiben mit einem etwas reduzierten Teil dabei..

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Ratgeber Finanzen 7 – 2024

Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Was man aus dem Fall Signa resp. Benko lernen kann
Die Insolvenz der riesigen Immobiliengesellschaft Signa ist fast täglich in den Medien. Das Konstrukt ist extrem kompliziert und verschachtelt aufgesetzt und der entstandene Schaden kann aktuell noch nicht wirklich abgeschätzt werden. Er wird aber wahrscheinlich in die Milliarden gehen. Immobilien gelten im Volksmund als Betongold und als sehr sicher. Wie kann man damit so viel Geld verlieren, wenn man dann auch noch fast nur Immobilien an den allerbesten Lagen in den florierenden Grossstädten hat? Für mich gibt es zwei Hauptgründe: Als Erstes der Preis, für welchen man diese Objekte gekauft hat. Es ist einfach nicht realistisch, in den letzten zehn Jahren ein solches Immobilienportfeuille an den besten Lagen zu vernünftigen oder sogar Schnäppchenpreisen aufgebaut zu haben. Im Minimum Teile davon wurden klar überzahlt. Ja, Qualität hat seinen Preis, aber (fast immer) nicht «jeden» Preis. Das wäre alles nicht so schlimm, wenn ein grosser Teil mit Eigenkapital finanziert würde. Sobald man aber sehr viel Fremdkapital einsetzt und dann dummerweise auch noch die Kreditzinsen massiv ansteigen, bekommt man ein ernsthaftes Problem. Sobald dies die Kreditgeber merken, kann es richtig mühsam werden. Da gibt es in der Vergangenheit zahlreiche Beispiele. Aber selbst sehr erfahrene Topgeschäftsleute unterliegen immer wieder der Gier oder dem Grössenwahn. Es ist sicher nicht alles wertlos und es gibt ausser für einige Aktionäre kaum einen Totalverlust. Die Sache wird uns aber noch länger beschäftigen und die ersten Köpfe sind bereits gerollt.
Falle Reparaturen oder Ersatzteile
Leider gibt es nicht nur Missstände mit Gebühren oder Kosten im Finanzbereich oder im Umgang mit Staatsdienstleistungen. Leider stelle ich das immer mehr bei Reparaturen und Ersatzteilen fest. Oft wird eine zeitlich Not dazu ausgenutzt, teilweise völlig überhöhte Preise in Rechnung zu stellen. Da kann eine kleine Reparatur plötzlich zur Kostenfalle werden.
Neben horrenden Stundenansätzen kommen Fallzuschläge, Wegpauschalen, Entsorgungsgebühren, Kleinteilzuschläge usw. usw. dazu. Auch die Preise von Ersatzteilen sind dann ein Bruttopreis, welcher sonst kaum jemand auf dieser Welt bezahlt. Das liegt meist nicht am Monteur, welcher die Sache vor Ort repariert und nur einen Bruchteil selber als Lohn bezieht. Persönlich ziehe ich meine Konsequenzen. Wer vernünftig und fair agiert, bekommt Folgeaufträge. Den Rest lasse ich weg oder verlange immer eine Offerte.

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Ratgeber Finanz 4– 2024

Christoph Zehnder, eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
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13. AHV-Rente
Anfang März werden wir über die Initiative für eine 13. AHV-Rente abstimmen können. Was sind die Beweggründe und die finanziellen Eckdaten dahinter?
Alles wird teurer
Strom wird teurer. Die Krankenkasse wird teurer. Die Hypothekarzinsen werden teurer. Die Miete wird teurer. Die Mehrwertsteuer wird teurer. Wer vorher schon knapp bei Kasse war, hat wirklich hart zu kämpfen. Diese Menschen sollen unterstützt werden.
Giesskanne statt Präzision
Alle derzeitigen und künftigen AHV-Rentner sollen jedes Jahr eine 13. Monatsrente erhalten. Dies entspricht einer Erhöhung der Jahresrente um 8,3 Prozent. Diese Erhöhung kommt nicht nur den oben genannten finanziell schlecht Gestellten zu Gute, sondern allen Rentnern.
Hier kommen nun erste Risse in die Argumente der Initianten. Ja, es gibt nach wie vor Altersarmut und diese wird angesichts obgenannter Preiserhöhungen akuter. Aber nein, es betrifft nur eine relativ geringe Anzahl Rentner.
Senioren sind am reichsten
Als Gesamtgruppe – ja, ich weiss, dass ein 1,80 Meter grosser Mensch in einem durchschnittlich 1,5 Meter tiefen Fluss ertrinken kann – sind die Rentner die reichsten. Und das für mich Erstaunliche: Gemäss einer Studie von Philippe Wanner (Professor für Demografie und Sozioökonomie an der Universität Genf) aus dem Jahr 2022 müssen Rentner trotz Ruhestand ihre Reserven nicht anzapfen. Ihre Ersparnisse wachsen im Schnitt sogar leicht an.
Geschätzte Mehrkosten liegen bei etwa 5 Mia Franken pro Jahr
Nicht nur von Altersarmut Betroffene, sondern auch Millionäre bekämen also eine 13. AHV-Rente. Dieses Giesskannenprinzip führt zu extrem hohen Mehrkosten von etwa 5 Milliarden Franken pro Jahr.
Umverteilung von arm zu reich...
Die Initiative macht bequemerweise keine Angaben dazu, wie diese Mehrkosten finanziert werden sollen. Es müsste wohl über eine Kombination von (erneut) höherer Mehrwertsteuer, höheren Lohnabzügen und der allgemeinen Staatskasse erfolgen. Mit anderen Worten zahlt die weniger reiche Allgemeinheit ein, profitieren tut aber die insgesamt reichste Altersgruppe.
Die 13. AHV Rente hat für mich deshalb nichts mit sozial zu tun. Für die Bekämpfung von Altersarmut müssen schärfere und präzisere Massnahmen ergriffen werden (wie z.B. Ergänzungsleistungen, Sozialhilfe).
...und von jung zu alt
Insbesondere bei einer Erhöhung der Lohnabzüge würde die produktive Arbeitstätigkeit verteuert. Dies verschlechtert die Konkurrenzfähigkeit vom Standort Schweiz und es fände eine Umverteilung von jüngeren Arbeitstätigen zu älteren Pensionierten statt.
Finanzierung der AHV sollte nicht weiter destabilisiert werden
Die Finanzlage der AHV ist zudem bekanntermassen nicht rosig. Gemäss den jüngsten Rechnungen des Bundes rutscht die AHV – noch ohne eine 13. AHV-Rente – um etwa 2031 in die roten Zahlen. Eine 13. AHV Rente würde die bereits wacklige Finanzierung der AHV weiter destabilisieren.

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Ratgeber Finanzen 1 – 2024

Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Meine Finanz-Neujahrswünsche
Träumen darf man ja, weshalb ich mir erlaube, meine Wünsche an die Wirtschaft, Verwaltung und an die Politik zu äussern.
Der Kunde ist wieder der König!
Eigentlich sollte das völlig normal sein, ist es aber oft nicht. Oft wird vergessen, woher das Geld für den eigenen Lohn herkommt und Kunden werden «schnodderig» behandelt oder sogar nur zur Ertragsauspressung missbraucht. Das gilt nicht nur für die
Privatwirtschaft, sondern auch
für Staatsdienstleistungen. Weniger Hochglanz, weniger Bürokratie, dafür mehr Dienstleistung, Service und vernünftige Konditionen, das wäre doch wieder schön und erstrebenswert. Dazu gehört auch, dass bestehende Kunden mindestens so gut behandelt werden wie potenzielle Neukunden. Es kann doch einfach nicht sein, dass loyale, langjährige Kunden schlechtere Konditionen erhalten als mögliche Neukunden.
Der Spesendschungel wird reduziert oder abgeschafft
Auch das ist ein ausuferndes Thema und es ist zur Unsitte geworden, dass jeder Bleistiftstrich in Rechnung gestellt wird. Für alles Gebühren, wenn ich von der Gemeinde oder dem Kanton etwas brauche (für was zahle ich überhaupt schon Steuern?). Auch bei den Banken ist das nicht viel besser. Da wollte eine Bank noch Gebühren, nur um die bestehende Hypothek zu verlängern…. Ich bin auch für das Verursacherprinzip, dann muss aber der Grundtarif günstig sein. Hohe Preise, dann aber nochmals jede Tätigkeit separat in Rechnung stellen, das ist einfach frech.
Devisentransaktionen zu vernünftigen Konditionen
Diesen Bereich kritisiere ich schon lange. Der Markt ist heute grösstenteils automatisiert und würde sehr enge Margen zulassen. Die Effizienzgewinne werden aber kaum an den Kunden weitergegeben. Das ist bei Wertschriftentransaktionen doppelt stossend. Da werden Courtagen verrechnet und dann auch nochmals bei der Devisentransaktion richtig «zugelangt».
Politiker müssen einen Volkswirtschaftsgrundkurs besuchen
Vielen Politikern fehlt das nötige volkswirtschaftliche Grundwissen. Wer über Milliardenausgaben mitentscheiden muss oder darf, sollte mindestens eine Grundahnung von wirtschaftlichen Zusammenhängen haben. Wenn man in den USA trotz Vollbeschäftigung und wirtschaftlichem Boom ein Budgetdefizit von rund 7 Prozent durchwinkt, hat man einfach keine Ahnung, woher Geld und Wohlstand kommen. «Wo wollen wir Schwerpunkte setzen und was können wir uns leisten?», das sollten wieder vermehrt die Fragen sein, anstelle zu Lasten von ausufernden Schulden den Rucksack immer mit noch mehr wertlosen Steinen und Problemen zu füllen.
Ich bin überzeugt, dass längerfristig weniger mehr ist. Das ist aus meiner Sicht kein alter Zopf! Nachhaltige Finanzen gehören zum Grundgerüst von anhaltendem Wohlstand. Wir sind auf bestem Weg, diesen mit ausufernder Bürokratie, Plan- und Schuldenwirtschaft selber zu vernichten.

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Ratgeber Finanz 51– 2023

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Beeindruckende Aktienrally seit Ende Oktober
Die Aktienindices haben sich im 2023 stark entwickelt: Der S&P500 hat seit Ende Jahr fast 23 % zugelegt (Stand per Mittwoch, 13.12.), der DAX mehr als 20 %, der SMI hinkt etwas nach mit +4.3 %. Noch imposanter ist die Entwicklung der letzten eineinhalb Monate. Seit den zwischenzeitlichen Tiefstständen am 27. Oktober hat der SMI 9 % zugelegt, sowohl Dax wie auch S&P500 sind in diesen nur 33 Handelstagen gar um mehr als 14 % gestiegen!

Markt erwartet massive Zinssenkungen der Zentralbanken
Wie erklären sich die starken Anstiege? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil die Bewertungen gerade beim US-Aktienmarkt doch enorm hoch sind. Auch die wirtschaftliche Entwicklung dreht eher nicht nach oben, diverse Akteure erwarten eine Rezession. Die plausibelste Erklärung ist bei den Zinserwartungen zu finden. Der Markt erwartet derzeit für 2024 deutliche Zinssenkungen der Zentralbanken: die FED wird gemäss Markterwartungen den Zins um 1,1 % senken, die EZB gar um 1,3 %. Bei der SNB geht der Markt von einer Zinssenkung um 0,6 % aus.

Inflation ist gesunken, aber weiterhin doppelt so hoch wie Ziel
Warum geht der Markt von so starken Zinssenkungen aus? Die Inflation ist vielerorts deutlich gesunken. Investoren scheinen den Kampf gegen die Inflation als gewonnen und beendet zu betrachten. Wirtschaftshistoriker, die einen etwas längeren Zeithorizont betrachten, sind dagegen meist skeptischer. In der Vergangenheit hat sich Inflation als «zähes Biest» gezeigt, zudem liegt die wichtige Kern-Inflation in den USA noch immer bei 4 %, was doppelt so hoch ist wie angestrebt. Auch der IMF hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, in der er vor zu früher Siegessicherheit warnte. Im September-Ratgeber bin ich auf diese Studie eingegangen, Sie finden die Ratgeber-Artikel jeweils auch auf unserer Homepage.

Die Markterwartungen sind genau das: Erwartungen
Vor einem Jahr lagen die Markterwartungen für die FED-Zinsen bei einer Erhöhung um 0,66 %, effektiv hat die FED ihren Zins aber mit 1,5 % massiv stärker erhöht. Ein analoges Bild für die EZB (erwartet +1,41 %, effektiv erhöht um +2,5 %) und auch die SNB (erwartet +0,86 %, effektiv erhöht um +1,25 %). Zwei Aussagen dazu: Der Markt lag somit mit seinen Erwartungen vor einem Jahr deutlich daneben. Das muss nicht heissen, dass er dieses Jahr erneut danebenliegt, möglich ist es aber. Zweitens erwartet der Markt mehr oder weniger, dass die Zentralbanken zurück zu den Markterwartungen vor einem Jahr gehen. Selbst wenn dies eintreffen würde, wären in der Zwischenzeit die effektiven Zinsen deutlich höher gewesen, als der Markt erwartet hat. Das spricht nicht unbedingt dafür, dass der Aktienmarkt so viel höher stehen sollte als Anfang Jahr.

Der Aktienmarkt ist derzeit sehr heterogen
Fairerweise muss man darauf hinweisen, dass der Aktienmarkt derzeit sehr heterogen ist und der Index dadurch etwas verzerrt wird. Es ist keineswegs eine grosse Mehrheit der Titel, die so stark gestiegen sind. Es sind vor allem wenige grosse Techtitel (Stichwort «magnificent seven»), die stark zugelegt haben. Der grosse Rest liegt im Schnitt vergleichsweise wenig im Plus, und auch viele Titel haben dieses Jahr recht deutlich verloren. Breit diversifizierte Fonds haben denn meist auch deutlich weniger verdient als die Indices vermuten liessen. Die breit diversifizierten Portfoliofonds der UBS liegen bei einem Plus seit Anfang Jahr von zirka 2 % (konservative Strategie) bzw. 3 % (ausgewogene Strategie).
Das sind für dieses Jahr für Schweizer Investoren die plausibleren Vergleichswerte.»

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